Mittwoch, 5. Dezember 2007

Ein Besuch im Township Mamelodi

Nachdem ich Markus am Mittwoch in Joburg ablieferte, von wo er donnerstags seine Rundreise starten sollte, blieb ich dieses Wochenende mal wieder zu Hause in Midrand. Eigentlich wäre ich lieber weggefahren, aber das Wochenende wurde auch so zum vollen Erfolg.

Das Wochenende stand so ziemlich im Zeichen von Jan und Steffen (von Daimler). ;) Denn samstags fuhren wir nach dem Pancake-Frühstück in eine Mall, wo es einen Markt mit typisch afrikanischer Kunst gibt. Alter Schwede, da muss man vielleicht handeln. Die nennen erst mal grundsätzlich das Doppelte vom Preis. Ich kam mir anfangs etwas blöd beim Handeln vor, aber sonst wäre ich total abgezockt worden. Später sind wir dann noch zum Adventure Golf gefahren, also quasi Minigolf. Es war etwas anders als das Minigolf in Deutschland, aber durchaus spaßig. Die Bahnen sind viel länger und es gibt nicht so viele Hindernisse, dafür geht es immer über viele Ebenen und diverse Ecken und Kanten. Abends fuhren wir dann noch zu einem Braai in Pretoria, wo ich mein erstes Straußenfleisch aß. Das müsst ihr unbedingt mal probieren, es ist total zart und einfach nur lecker!

Sonntags sollte es dann ins Township Mamelodi bei Pretoria gehen. Eine Kollegin von Jan und Steffen ist dort aufgewachsen, hat es geschafft rauszukommen, aber ihre Mutter wohnt immer noch dort. Wir waren erstaunt, wie schön es doch eigentlich an den meisten Stellen dort aussieht. Die Häuser sind zwar klein, aber meist gepflegt und die Straßen sind nicht so dreckig, wie erwartet. Natürlich merkt man, dass dort nicht die reichsten Menschen wohnen, denn es gibt durchaus sogenannte „Informal settlements“, also Wellblechhütten, und die Läden bestehen zumeist auch aus Wellblech. Weiße Menschen existieren dort nicht, wir haben zumindest keine gesehen. Somit waren wir die Attraktion schlechthin. Alle Menschen, die uns gesehen haben, haben gehubt, uns zugejubelt und viele kamen einfach, um sich vorzustellen, uns herzlich Willkommen zu heißen und so weiter. Wir haben uns wirklich wohl gefühlt und waren gar nicht beängstigt, obwohl wir die einzigen Weißen waren (was in der Regel schon ein Grund dafür ist, einen Ort zu meiden, auch wenn es sich rassistisch anhört, aber es ist einfach eine Tatsache).

Unsere erste Aktion war es, in die Kirch zu gehen. Die Religion war sowas Ähnliches wie Baptisten, also irgendeine Abspaltung von Protestanten. Die Kirche sieht eigentlich aus, wie eine große Fabrikhalle, es sind Plastikstühle aufgestellt und vorne ist eine Bühne. Dort hat der Gospelchor gesungen. Das war wirklich der absolute Wahnsinn. Diese Menschen haben so tolle und kräftige Stimmen, das ist unglaublich. Während gesungen wird, tanzt die ganze Kirche. Beim Beten sprechen alle Leute laut vor sich hin, manche schreien sogar laut rum, andere weinen und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Auf einmal fing zum Beispiel während einer stillen Phase eine Frau laut an zu weinen und hörte gar nicht mehr auf. Später stellte sich dann heraus, dass diese Frau innerhalb von einem Monat 4 Familienmitglieder verloren hatte. In der Kirch wurde daher für sie gebetet und Geld gesammelt. Was man in Deutschland als Lesung oder Evangelium kennt, wurde hier auch etwas anders ausgeführt. Zunächst einmal differiert deren Bibel etwas von der unsrigen. Jeder Gottesdienstteilnehmer hat eine Bibel mit, aus welcher drei verschiedene Stellen vorgegeben werden. Diese werden dann kurz vorgelesen und im Anschluss daran findet eine Art Schauspiel statt, in welcher die Stelle reflektiert und näher verdeutlicht wird. Leider war ein Großteil des Gottesdienstes auf irgendwelchen afrikanischen Sprachen, so dass wir vieles nicht verstanden. Allerdings wurden wir Deutschen der Gemeinde vorgestellt und später kamen total viele Leute zu uns, um uns willkommen zu heißen. So eine Gastfreundschaft wie in diesem Township ist mir noch nie widerfahren!

Nach der 2,5-stündigen (!!!) Messe fuhren wir mit zwei Autos durch Mamelodi, um das Leben der Menschen dort besser kennenzulernen. Was uns Jans schwarze Kollegin erzählte, war sehr interessant. Sie hatte großes Glück, dass ihrer Mutter eine gute Ausbildung wichtig war und sie es durchgesetzt hat, sie kostenlos auf die teure deutsche Schule zu schicken. So hat sie es geschafft, jetzt einen guten Job und eine bessere Zukunft als der Großteil der Menschen zu haben. Viele Leute wohnen schon in recht ärmlichen Verhältnissen, doch scheinen alle glücklich zu sein.

Bei der Mutter waren wir mittags zum Essen eingeladen. Sie ist eine Schwarze, wie man sie sich so vorstellt, eben eine richtige Big Mama – ziemlich „kräftig“ und total herzlich.

Leider ist mein geliebtes Auto bei der Fahrt durch das Township kaputt gegangen. Nachdem es nach einem Aufsetzer komische Geräusche machte, war ich schon in großer Sorge. Doch kurzerhand wurde der Cousin angerufen, der feststellte, dass außer der Plastikverkleidung unter dem Auto nichts kaputt war. Er montierte das Plastikteil ab und brachte es zur Reparatur. Das Heftigste an der Sache war aber, dass die Big Mama tatsächlich für den Schaden aufkommen wollte und ich eine geschlagene Stunde brauchte, um den Preis (10 Euro) zu erfahren. Anscheinend gehört es mit zum Anstand der Gastfreundschaft, dass ein Gast NICHTS selber zahlen muss, so wenig Geld die Leute auch haben.
Im Endeffekt waren wir von 9 – 18 Uhr im Township unterwegs und es war eine echte Erfahrung wert!



Beim Handeln auf dem suedafrikanischen Markt



Na dann mal frohe Weihnachten... ;)



Jan versucht sich im Minigolf



Der Steffen und ich



Nach dem Braai im Auto



Streets of Mamelodi



In der Kirche (hab auch Videos, muss mal schauen, ob ich die morgen hochladen kann)



Ein typisches Haus im Township



Die Gruppe bei der Oma von Nolwazi



Afrikanisches Essen, gekocht von der Big Mama



Nach dem Essen



Oben von links: Nolwazi, Tanja, Steffen, Kathleen, Jan, Sabine
Unten von links: Big Mama (Linda), Nolwazis Schwester, myself, Nolwazis Cousine

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